Der neue EU-Electrification Action Plan: Mehr Strom statt fossile Energie

Mit dem am 17. Juli 2026 veröffentlichten Electrification Action Plan legt die Europäische Kommission erstmals einen umfassenden Fahrplan vor, um Europa unabhängiger von importierten fossilen Energieträgern zu machen. Hintergrund sind die geopolitischen Krisen der vergangenen Jahre und die dadurch stark gestiegenen Energiepreise. Die Kommission sieht eine konsequente Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie als entscheidenden Hebel für mehr Energiesicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz.

Elektromobilität spielt eine Schlüsselrolle

Besonders der Verkehrssektor steht im Mittelpunkt des Aktionsplans. Bereits heute fahren mehr als 8 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) auf Europas Straßen. Dennoch beträgt ihr Anteil am gesamten Fahrzeugbestand erst rund 2,9 %. Die EU möchte diese Entwicklung massiv beschleunigen, denn allein im Jahr 2025 konnten Elektrofahrzeuge bereits 4,1 Milliarden Euro an Ölimporten einsparen.

Die Kommission kündigt daher zahlreiche neue Maßnahmen an:

  • Ausbau der Ladeinfrastruktur für Pkw und insbesondere für elektrische Lkw,
  • finanzielle Anreize für Elektrofahrzeuge,
  • Förderung von Firmenflotten als Motor des Gebrauchtwagenmarktes,
  • Unterstützung sozialer Leasingmodelle für Haushalte mit niedrigerem Einkommen,
  • bessere Integration von Elektrofahrzeugen in das Stromnetz.

Vehicle-to-Grid: Das Elektroauto wird Teil des Energiesystems

Ein besonders spannender Schwerpunkt betrifft die intelligente Einbindung von Elektrofahrzeugen in das Stromnetz.

Die Europäische Kommission möchte Smart Charging und Vehicle-to-Grid (V2G) europaweit etablieren. Elektrofahrzeuge sollen künftig nicht nur Strom laden, sondern bei Bedarf auch wieder ins Netz zurückspeisen können. Dadurch entstehen erhebliche Vorteile:

  • bessere Nutzung von Solar- und Windenergie,
  • Entlastung der Stromnetze,
  • geringerer Netzausbaubedarf,
  • zusätzliche Einnahmen für Fahrzeughalter.

Nach Berechnungen der Kommission könnten intelligentes Laden und bidirektionales Laden den Besitzerinnen und Besitzern von Elektroautos bis 2040 europaweit Einsparungen von über 44 Milliarden Euro pro Jahr ermöglichen. Bereits bis Ende 2027 sollen neue technische Anforderungen für V2G verabschiedet werden.

Ladeinfrastruktur wird nochmals beschleunigt

Der Ausbau öffentlicher Ladepunkte bleibt eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg der Elektromobilität.

Deshalb wird die AFIR-Verordnung (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) bereits 2026 überprüft. Ziel ist unter anderem:

  • schnellerer Ausbau von Schnellladeparks,
  • bessere Versorgung für elektrische Lkw,
  • mehr Ladepunkte in Depots,
  • Ausbau der Ladeinfrastruktur in Häfen,
  • vollständige technische Interoperabilität aller Ladepunkte in Europa.

Damit sollen Investitionen erleichtert und Versorgungslücken insbesondere entlang des TEN-T-Verkehrsnetzes geschlossen werden.

Günstiger Strom als Schlüssel zum Erfolg

Die EU erkennt erstmals ausdrücklich an, dass hohe Strompreise derzeit ein wesentliches Hindernis für die Elektrifizierung darstellen.

Deshalb sollen Mitgliedstaaten:

  • Steuern auf Strom senken,
  • Abgaben reformieren,
  • fossile Subventionen schrittweise abbauen,
  • Netzgebühren modernisieren,
  • flexible Stromtarife fördern.

Ziel ist es, das Verhältnis zwischen Strom- und Gaspreisen deutlich zu verbessern und Elektromobilität wirtschaftlich noch attraktiver zu machen.

Was bedeutet das für Österreich?

Für Österreich ergeben sich aus dem neuen Aktionsplan große Chancen. Das Land verfügt bereits über einen vergleichsweise hohen Anteil erneuerbarer Stromerzeugung – insbesondere aus Wasserkraft – und besitzt damit hervorragende Voraussetzungen für eine weitgehende Elektrifizierung des Verkehrs.

Für den ElektroMobilitätsClub Österreich sind vor allem folgende Punkte von besonderer Bedeutung:

  • weiterer Ausbau der Schnellladeinfrastruktur,
  • Einführung intelligenter Lade- und V2G-Lösungen,
  • günstigere Stromtarife für E-Mobilität,
  • stärkere Förderung von Elektrofahrzeugen im Unternehmensbereich,
  • Ausbau der Ladeinfrastruktur für den Schwerverkehr.

Mit dem Electrification Action Plan macht die Europäische Kommission deutlich: Elektromobilität ist nicht mehr nur ein Instrument des Klimaschutzes, sondern ein zentraler Baustein für Europas Energieunabhängigkeit, wirtschaftliche Stärke und technologische Wettbewerbsfähigkeit. Die angekündigten Maßnahmen werden den Umstieg auf emissionsfreie Mobilität in den kommenden Jahren weiter beschleunigen und bieten auch für Österreich die Chance, seine Vorreiterrolle im Bereich der Elektromobilität auszubauen.

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