Mit dem #5 verlässt smart vorerst endgültig das Kleinwagensegment und tritt als Mittelklasse-SUV an. Wir haben das Topmodell BRABUS mit 475 kW, Allradantrieb und 94 kWh nutzbarer Batteriekapazität für zwei Wochen im Alltag getestet. Konnte der Anspruch der Alltagstauglichkeit auch in den SUV-Bereich übersetzt werden?
Einleitung
Der smart #5 misst knapp 4,70 Meter in der Länge, steht auf 2,9 Metern Radstand und bietet fünf Sitzplätze. Unser Testwagen trat in der Topversion an, in der zwei Motoren zusammen 475 kW und 710 Nm bereitstellen und aus 94 kWh nutzbarer Kapazität ihre Kraft schöpfen. Auf dem Papier verspricht smart bis zu 540 Kilometer WLTP-Reichweite und Ladeleistungen von bis zu 400 kW an Gleichstrom. Serienmäßig sind zudem unter anderem ein Panoramadach, Mikrofaser-Sitze mit Ventilation vorne und Sitzheizung hinten, eine Wärmepumpe und ein Sennheiser-Soundsystem mit 20 Lautsprechern vorhanden.
Karosserie, Design & Innenraum
Selbst nach den zwei Wochen intensiver Auseinandersetzung mit dem smart #5 beeindruckt das Auftreten immer noch und zieht Blicke magnetisch an. Sowohl von außen als auch innen wirkt es jeweils so, dass viel mehr Raum eingenommen wird als tatsächlich die Messwerte hergeben. Das breitschultrige Erscheinungsbild von allen Seiten sowie die glatt geschliffenen Oberflächen mit ihren dezenten Farbakzenten unterstreichen den Effekt.
Der selbstbewusste Auftritt setzt sich auch im Innenraum fort. Besonders bei der Materialwahl, bei der selbst die A-Säule mit Mikrofaser-Stoff ummantelt ist, fällt der Premium-Anspruch sofort ins Auge und sorgt zusammen mit dem großzügigen Raumgefühl auf allen Sitzpositionen für einen hohen Komfort. Sowohl im Cockpit als auch in der zweiten Reihe ist selbst für größere Personen ausreichend Bein- wie Kopffreiheit vorhanden. Einen wesentlichen Anteil an dem Raumgefühl hat das Panoramadach, das bis zu den hinteren Kopfstützen reicht und Fondpassagieren zusätzlichen Freiraum suggeriert.
Ablageflächen finden sich an allen Stellen und so können auch große Wasserflaschen in den Seitenfächern untergebracht werden. In der Mittelkonsole finden sich die obligatorischen Anschlüsse, zwei induktive Ladeflächen sowie das Staufach unter der Armlehne, das bei Bedarf auch gekühlt werden kann. Obwohl keine starken Temperaturunterschiede zu erwarten sind, ist es dennoch hilfreich, etwa Getränke kühler zu halten. Die Heckklappe öffnet auf Knopfdruck automatisch, dieser ist allerdings nur für Eingeweihte offensichtlich. Ist er erst einmal mittels Druck auf das a im smart-Schriftzug freigelegt, empfängt einen der Kofferraum mit 630 Litern und wächst bei umgeklappter Rückbank auf 1 530 Liter an, dank flach abfallender Dachlinie im quadratischen Format. Sollte noch zusätzlicher Bedarf an Stauraum bestehen, kommen unter der Fronthaube weitere 47 Liter im Frunk dazu.
Bedienung & Infotainment
Im Cockpit kombiniert smart einen 13 Zoll großen OLED-Bildschirm für die Fahrerseite mit einem zweiten von gleicher Größe vor dem Beifahrersitz, dazu kommt eine 10,25-Zoll-Instrumententafel. Die Displaylandschaft gibt den Ton vor und so sind kaum physische Tasten vorhanden, ausgenommen am Lenkrad und an der Seitentür. Das Klimabedienfeld ist nur digital erreichbar, dafür aber dauerhaft eingeblendet. Die wichtigsten Funktionen für den Alltag sind per Shortcut zu erreichen und übersichtlich dargestellt.
Die Menütiefe ist hervorragend und erfüllt nahezu jeden Personalisierungswunsch, führt jedoch auch zu einigen Verschachtelungen und kann besonders während der Fahrt ablenken. Abhilfe schafft zum Teil die Sprachsteuerung, die auch einzelne Menüpunkte präzise ansteuert. Für mehr Fokus auf die Straße sorgt hingegen das Augmented-Reality-Head-up-Display, das neben den Grundfunktionen auch detaillierte Navigationshinweise und Infotainment anzeigt und so die häufigen Blicke auf den Mittelbildschirm reduziert.
Das Beifahrerdisplay ist auf Entertainmentzwecke im Wesentlichen reduziert und kann z. B. nicht die Navigation aus dem Hauptbildschirm übernehmen, wie es bei anderen Apps möglich ist. Das wäre insofern ein Mehrwert, als Bedienung und Verhalten der Navigation teils ungelenk wirken und oftmals Bearbeitungsbedarf besteht. Alle notwendigen Bedienelemente funktionieren einwandfrei und auch eine Laderoutenplanung ist vorhanden. Aktionen wie der Wechsel der Ladestation in einer berechneten Route, Alternativrouten oder die zu erwartenden Staumeldungen sind verschachtelt oder nur über Umwege zu erreichen. Besonders im Kontrast mit der restlichen Softwaregestaltung wirkt dieser Bereich noch unausgereift.
Das Gegenteil zeigt sich bei den Quick-Controls, erreichbar über die Benachrichtigungsleiste, sowie den Fahrzeugmodi, die unterschiedlichste Situationen abdecken und neben vielen Spielereien auch einen wesentlichen Mehrwert bieten.

Assistenz, Sicherheit & Licht
Umfangreich sind ebenfalls die Assistenzsysteme, die alle modernen Hilfestellungen abdecken. Das führt zum Teil zu einem gewissen Lärmpegel, wenn alle aktiviert sind, kann jedoch mittels individuellem Fahrprofil weitestgehend eingefangen werden. Zwar sind die Sensoren tendenziell auf der vorsichtigeren Seite, assistieren dafür aber auch zuverlässig in brenzligen Situationen. Auch auf der Autobahn steht die Sicherheit im Vordergrund, wodurch sich einige Funktionen, wie der Spurwechselassistent, als nicht praxistauglich erweisen, da die realen Fahrbedingungen nicht die notwendigen Anforderungen erfüllen.
Hilfreiche Unterstützung hingegen ist der adaptive Fernlichtassistent, der über weite Strecken zuverlässig entgegenkommenden Verkehr ausblendet. Querverkehr und weit entfernte Fahrzeuge werden erst spät bzw. gar nicht erkannt und auf kurvigen Strecken fehlt die Reaktionsgeschwindigkeit. Positiv sticht ebenso die 360-Grad-Rundumsicht über die Kameras hervor, die schnell und einfach zu erreichen sind und alle relevanten Blickwinkel in einer sehr guten Bildqualität abdecken. Zudem ist der vollautomatische Parkassistent hilfreich und intuitiv zu bedienen. Bei unseren Tests zeigte sich aber auch, dass nicht alle Parklücken zuverlässig erkannt werden und der Freihandmodus in diesen Fällen selten einen Mehrwert bietet.
Antrieb & Fahrverhalten
Der Allradantrieb kombiniert einen permanenterregten Synchronmotor an der Hinterachse mit einem Asynchronmotor vorne und stellt zusammen 475 kW und 710 Nm bereit. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden beschreibt nur unzureichend das Gefühl bei der Beschleunigung. Ohne Denksekunde werden die Insassen mit voller Kraft in den Sitz gedrückt und lose Gegenstände im Fahrzeug neu geordnet. Selbstredend trägt dieses Ansprechverhalten zu einem sehr sportlichen Fahrgefühl bei. Getrübt wird das Gesamtbild jedoch durch das spürbare Wankverhalten und die weich abgestimmte Federung. Trotz aller technischen Unterstützungen macht sich das Gewicht in vielen Situationen bemerkbar. Liegt der Fokus hingegen auf dem komfortablen Reisegefühl, kommt man im smart #5 voll auf seine Kosten. Unebenheiten oder Kopfsteinpflaster werden zur Randnotiz und dank der Akustikverglasung sind auch Autobahngeschwindigkeiten nicht von langsameren zu unterscheiden.
Die Nervosität im Antrieb legt sich allerdings nie ganz, da das Strompedal ab einer spürbaren Schwelle direkt von Rekuperation in den Vortrieb wechselt und damit ein sanfter Übergang fehlt. Ebenso ist die Ansprache der Rekuperation noch ausbaufähig und könnte weitere Abstufungen vertragen.
Verbrauch, Reichweite & Laden
Gemäß der Werksangabe nimmt der smart #5 an der Schnellladesäule bis zu 400 kW an und lädt von 10 auf 80 % in weniger als 18 Minuten. In unseren Tests zeigte sich eindeutig, dass weniger das Fahrzeug als die Infrastruktur an ihre Grenzen kommt. Zwar schreitet der Ausbau entsprechender 400-kW-Säulen voran, dass die Leistung tatsächlich geliefert wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Findet sich ein solches Unikat, dann brilliert die 800-Volt-Technik auf ganzer Länge. Zwar konnten wir die 400 kW nicht erreichen, sondern „nur“ max. 383 kW, dennoch dauerte der Ladevorgang von 10 auf 80 % nur knappe 15 Minuten, mit einem konstanten Ladeplateau im ersten Drittel. Die etwas schwache Batterievorkonditionierung im manuellen Modus wird dadurch gut ausgeglichen.
Weniger konstant fällt der Verbrauch aus, der gegen die physikalischen Grenzen kämpft. Städtisch ist auch bei wärmeren Bedingungen ein Verbrauch von 17–18 kWh/100 km zu verzeichnen, Überland ca. 20–22 kWh/100 km. Für das boxige Design zahlt man aber auf der Autobahn wortwörtlich den Preis: Unter durchschnittlichen Bedingungen sind 22–24 kWh/100 km notwendig, die leicht bei Regen oder Gegenwind auf 25 bis maximal gemessenen 27 kWh/100 km hinaufschnellen. Eine Reichweitenangst ergibt sich dennoch nicht, da aufgrund der hohen Batteriekapazität selbst im Worst-Case-Szenario immer noch knapp 350 km Autobahnreichweite verfügbar sind. Im Mischbetrieb stellten sich regelmäßig rund 450 km reale Reichweite ein.
Die Daten lassen vermuten, dass das Fahrzeug vornehmlich für den Langstreckeneinsatz ausgelegt ist. Umso mehr überrascht, dass an Wechselstrom mit 22 kW geladen werden kann und damit städtische Ladesäulen auch bei dieser Akkugröße interessant werden.

Technische Daten und Preise
| Preis | 63 700 € (BRABUS) |
| Leistung | 475 kW |
| max. Drehmoment | 710 Nm |
| Beschleunigung | 3,8 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h |
| Leergewicht + Fahrer:in | 2 378 kg |
| Ladevolumen | 630 L – 1 530 L (+ 47 L Frunk) |
| Batteriekapazität (netto) | 94 kWh |
| Ladegeschwindigkeit (AC/DC) | max. 22 kW/max. 400 kW |
| Reichweite (WLTP) | max. 540 km |
| Abmessungen (L/B/H) | 4 695 mm/1 920 mm/1 705 mm |
Fazit
Wuchtiges Design, viel Leistung und jede Menge Stauraum. smart schafft es mit dem #5, Vielseitigkeit in einem Fahrzeug zu vereinen und darüber hinaus den Premiumanspruch zu erfüllen. Ladevolumen und Ladeleistung sind beeindruckend und die Personalisierungsmöglichkeiten lassen wenig Wünsche offen. Grenzen setzen Masse und Software. Das Gewicht bleibt trotz aller Regelsysteme spürbar, und die Navigation wirkt neben dem übrigen Bediensystem noch unfertig. Wer ein geräumiges Elektroauto für Familie und Langstrecke sucht und die Ladepausen kurz halten will, findet im smart #5 dennoch ein Auto, das den Anspruch der Marke in eine neue Klasse trägt.
Redaktioneller Hinweis: Das Testauto wurde von smart für einen Zeitraum von zwei Wochen für einen Praxistest zur Verfügung gestellt. Es wurde kein Einfluss auf unsere Berichterstattung genommen.
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