Erstmals über 300.000 E-Autos in Österreich – und Elektro überholt den Benziner

Es ist eine Marke, auf die die österreichische E-Mobilitätsszene lange gewartet hat: Zum Stichtag 31. Juli 2026 waren in Österreich 303.311 rein elektrische Pkw zugelassen. Das ist die erste Zahl über 300.000 – und der Bestand ist damit binnen eines Jahres um fast ein Drittel gewachsen. Noch bemerkenswerter ist allerdings eine andere Zahl aus derselben Statistik.

303.311
Elektro-Pkw in Österreich
vorläufiger Bestand am 31. Juli 2026 · 5,7 % aller Pkw
+28,7 % gegenüber Juli 2025

Das Wichtigste in Kürze

  • Der E-Pkw-Bestand überschreitet erstmals die Marke von 300.000 Fahrzeugen – 303.311 laut vorläufiger Kfz-Statistik.
  • Jedes 18. Auto auf Österreichs Straßen ist damit rein elektrisch (5,7 % von 5,33 Millionen Pkw).
  • Bei den Neuzulassungen hat Elektro von Jänner bis Juli 2026 erstmals den Benziner überholt: 47.133 gegenüber 46.134.
  • Der Diesel-Bestand schrumpft weiter: −4,7 % gegenüber dem Vorjahr, das sind rund 116.000 Fahrzeuge weniger.
  • Beim Anteil führen Wien und Vorarlberg, Schlusslicht ist Kärnten.

Die eigentliche Nachricht steckt bei den Neuzulassungen

Der Bestand ist ein träges Maß – er bildet ab, was in den vergangenen zwanzig Jahren gekauft wurde. Was gerade passiert, zeigen die Neuzulassungen. Und dort ist im laufenden Jahr etwas passiert, das es in Österreich noch nie gegeben hat: Von Jänner bis Juli 2026 wurden 47.133 rein elektrische Pkw neu zugelassen – mehr als Benziner (46.134). Elektro ist damit die meistgekaufte einzelne Antriebsart bei den reinen Antrieben, vor Benzin und mit weitem Abstand vor Diesel.

Pkw-Neuzulassungen Jänner bis Juli 2026

Anteil an allen 190.352 neu zugelassenen Pkw

HybrideBenzin + Diesel78.496 · 41,2 %
Elektro+29,3 %47.133 · 24,8 %
Benzin−2,4 %46.134 · 24,2 %
Diesel−10,4 %18.587 · 9,8 %

Quelle: Statistik Austria, Kfz-Statistik. Hybride umfassen Benzin/Elektro (70.567) und Diesel/Elektro (7.929), darunter 21.553 Plug-in-Hybride.

Zwei Entwicklungen laufen also parallel: Der Verbrenner verliert – Diesel zweistellig, Benzin leicht –, während Elektro und Hybrid zulegen. Der Gesamtmarkt ist dabei um 13,4 Prozent gewachsen, es geht also nicht um einen schrumpfenden Kuchen, sondern um eine echte Verschiebung.

Wo die E-Autos stehen

Regional ist das Bild ungleich. Absolut liegen Niederösterreich (62.557) und Oberösterreich (61.386) vorn, gefolgt von Wien (51.699). Interessanter ist der Anteil am jeweiligen Pkw-Bestand – und da führt Wien knapp vor Vorarlberg:

Anteil der E-Pkw am Pkw-Bestand nach Bundesland

Stand 31. Juli 2026 · Österreich gesamt: 5,7 %

  • Wien6,9 %
  • Vorarlberg6,8 %
  • Salzburg6,6 %
  • Tirol6,1 %
  • Oberösterreich6,1 %
  • Niederösterreich5,3 %
  • Burgenland4,7 %
  • Steiermark4,6 %
  • Kärnten4,1 %

Eigene Berechnung auf Basis der vorläufigen Kfz-Bestandsdaten von Statistik Austria.

Dass ausgerechnet Wien vorn liegt, überrascht auf den ersten Blick – in einer Stadt mit gutem öffentlichem Verkehr und schwieriger Ladesituation in Altbauten. Erklären lässt es sich vor allem mit Firmenzulassungen: Viele Unternehmen und Leasinggesellschaften haben ihren Sitz in Wien, die Fahrzeuge sind dort gemeldet und fahren im ganzen Land.

Der Rest der Flotte

Antrieb Juli 2026 Anteil ggü. Vorjahr
Diesel 2.338.227 43,9 % −4,7 %
Benzin 2.166.275 40,7 % −0,8 %
Benzin/Elektro (Hybrid) 415.655 7,8 % +33,8 %
Elektro 303.311 5,7 % +28,7 %
Diesel/Elektro (Hybrid) 99.753 1,9 % +19,1 %
Erdgas 1.822 0,0 % −10,6 %
Wasserstoff 52 0,0 % −8,8 %
Pkw insgesamt 5.327.300 100 % +1,0 %

Bemerkenswert am Rand: Der Wasserstoff-Pkw bleibt in Österreich eine Randnotiz. 52 Fahrzeuge sind zugelassen – neun Prozent weniger als vor einem Jahr. Auf jeden Wasserstoff-Pkw kommen damit rund 5.800 Elektroautos.

Zwei Zahlen, eine kleine Unschärfe

Wer die Meldungen der vergangenen Tage verfolgt hat, ist möglicherweise über zwei unterschiedliche Werte gestolpert: Die Kronen Zeitung berichtete unter Berufung auf das Verkehrsministerium von 304.328 E-Pkw per Ende Juli, Statistik Austria weist 303.311 aus. Beide Zahlen stimmen – sie stammen aus unterschiedlichen Auswertungsständen desselben Zulassungsregisters. Die Daten von Statistik Austria sind ausdrücklich als vorläufig gekennzeichnet und werden mit der endgültigen Auswertung noch leicht nach oben korrigiert. An der Aussage ändert das nichts: Die 300.000er-Marke ist gefallen.

Was das für die kommenden Monate heißt

Der Zuwachs von 28,7 Prozent fällt in eine Zeit, in der sich die Rahmenbedingungen ändern. Zwei Punkte werden das Tempo im nächsten Jahr beeinflussen:

Der Sachbezug ab 2027. Die private Nutzung von E-Dienstwagen ist ab Jänner 2027 nicht mehr abgabenfrei. Da Firmenflotten der wichtigste Treiber der Elektrifizierung sind – und die Gebrauchtwagen von morgen liefern –, ist das der Faktor mit dem größten Hebel. Was genau kommt und wie stark der Vorteil gegenüber dem Verbrenner bleibt, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschlüsselt.

Die neuen Netzentgelte. Ab 1. Jänner 2027 greift die neue Struktur mit Leistungs- und Arbeitskomponente. Für alle, die zu Hause laden, ändert sich damit die Kostenrechnung – wir haben zusammengefasst, was das fürs Laden daheim bedeutet.

Ein Drittel Wachstum pro Jahr ist ein Tempo, das sich nicht von selbst fortschreibt. Die nächsten Monatszahlen – besonders jene für das erste Quartal 2027 – werden zeigen, ob der Umstieg inzwischen genug Eigendynamik hat, um steuerliche Verschlechterungen wegzustecken.

Quellen

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