Kia e-Niro im EMC Härtetest

2019 kommen viele neue, leistbare Elektroautos mit hohen Reichweiten auf den österreichischen Markt. Auch der Kia e-Niro wurde mit Spannung erwartet. Jetzt rollen die ersten Exemplare auf den heimischen Straßen und der EMC war naturgemäß neugierig darauf, den Newcomer zu testen.

Kia Austria GmbH zeigte sich großzügig: eine ganze Woche stand uns der e-Niro zur Verfügung. Wir hatten uns einiges vorgenommen. Unsere Testroute führte durch Österreich, Deutschland, Schweiz und Liechtenstein, über Stadt, Land, Autobahn und bergige Schneestraßen.Wir waren zu viert mit reichlich Gepäck unterwegs und hatten auf den mehr als 2.300 km unserer Strecke ausreichend Möglichkeiten, die Details des neuen Kias auszutesten.

Der Electromobilclub der Schweiz (ECS) hatte uns eingeladen und damit ergab sich folgende Routenplanung: Start in Klosterneuburg, dann EMC Kompetenztreffen Wien, EMC Kompetenztreffen Salzburg, ECS Treffen am Uetliberg in Zürich, ECS Brunch in der Umweltarena Zürich, eMobility Familienbrunch in Obsteig (Tirol), eMobility Familiennachmittag in Anif (Salzburg), zurück nach Klosterneuburg und dann kurz vor der Rückgabe des Autos noch das EMC Kompetenztreffen in Stockerau (Niederösterreich).

Der e-Niro fällt nicht als Elektroauto auf. Den Unterschied zu den Hybrid- bzw. Plug-in-Hybrid Modellen erkennen nur Experten. Den e-Niro gibt es wahlweise mit 39.2 kWh Akku und 100 kW Motor (136 PS) ab € 37.490,- oder mit 64 kWh Akku und 150 kW Motor (204 PS) ab € 41.890,-.

Im normalen Alltag fahren die EMC Tester Elektroautos mit Akkukapazitäten von 22 bis 30 kWh. Der uns zur Verfügung gestellte e-Niro hat einen 64 kWh Akku und diesen Unterschied merkt man. Bei Ybbs auf der Westautobahn, wo wir (von Klosterneuburg kommend) normalerweise das erste Mal zwischenladen, zeigte der e-Niro noch eine Restreichweite von 270 km an. Auch im Winter bei Temperaturen rund um den Nullpunkt und gemütlich geheiztem Innenraum ist die Reichweite selbst bei Autobahnfahrten deutlich über 300 km.

Wir hatten einen sparsamen Verbrauch erwartet und hielten uns dementsprechend auch auf der Autobahn wenig zurück: wo erlaubt stellten wir den Tempomat auf 120 km/h. Das beeindruckende Ergebnis: nach den ersten 500 km (davon 400 auf der Autobahn) lag der Durchschnittsverbrauch bei bescheidenen 20 kWh/100 km (bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt, 22° im Innenraum, vier Personen mit Gepäck). Das Auto liegt gut auf der Straße, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land und auf der Autobahn. Beim Hochgeschwindigkeitstest auf der Autobahn in Deutschland mit abgeregelten 179 km/h (laut Tacho) verhält sich das Auto souverän. Der 150 kW / 204 PS Motor hat auch im hohen Geschwindigkeitsbereich ausreichende Kraftreserven für Überholvorgänge. Der Wagen rekuperiert (wenn gewollt) sehr stark: mit bis zu 100 kW fließt die kinetische Energie wieder in den Akku zurück. Paddels am Lenkrad ermöglichen es, die Rekuperation in drei Stufen einzustellen, man kann mit den Paddels auch bis zum Stillstand abbremsen. Gut gelöst ist auch die automatische Rekuperationseinstellung: das Auto entscheidet selbständig, wie stark abgebremst wird. Das funktioniert sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn sehr gut.

Die Ausstattung umfasst zahlreiche Assistenzsysteme, vom adaptiven Tempomaten über Querverkehrwarnungen bis zum Spurhalteassistenten, der auch selbständig lenkt. Der e-Niro verblüffte uns mit aktiven Lenkeingriffen, ohne, dass wir vorher eine Taste drücken mussten. Wenn das Auto die Fahrbahnmarkierungen erkennt, dann versucht es automatisch, in die Mitte zu lenken. Das ist auf langen Strecken sehr angenehm. Gegensteuern kann man natürlich jederzeit. Sein Handy kann man mittels Android Auto und Apple CarPlay mit dem Auto koppeln, zum Aufladen gibt es mehrere USB Anschlüsse und eine induktive Ladeschale. Das Lichtsystem des e-Niro zeigte seine Stärken auf unseren nächtlichen Strecken. Das Abblendlicht ist sehr hell und leuchtet die Straße gut aus. Der Fernlichtassistent macht einen exzellenten Job.

Das Zwischenfazit nach dem ersten Tag: der e-Niro ist ein sehr bequemes, familientaugliches Auto. Die Sitze sind bequem und langstrecken-tauglich, die Kniefreiheit ist auch auf den Rücksitzen sehr gut und der Kofferraum ist auch für vier Personen mit Gepäck ausreichend. Im Winter wichtig: unser Auto hatte vorne und hinten Sitzheizungen und auch eine Lenkradheizung.

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Das Geräuschniveau ist auch auf der Autobahn sehr niedrig. Das Navigationssystem hat uns überzeugt. Die Eingabe von Zielpunkten und Etappenzielen ist einfach, eine Gesamtübersicht der geplanten Streckenlänge zeigt gut übersichtlich an, wie weit man schon gekommen ist.

Wir wollten natürlich auch testen, wie schnell der e-Niro an High-Performance-Chargern laden kann. In der Schweiz an einem Gofast Charger saugte das Auto den Akku mit bis zu 77 kW voll, der Durchschnitt unserer Ladesession lag bei ca. 60 kW. Der Akku hat übrigens ein aktives Thermomanagement, er wird gekühlt, wenn er zu heiß wird und unter -10°C wird er (flüssigkeitsbasierend) gewärmt. Bequem ist übrigens der CCS-Anschluss vorne, das erleichtert die Positionierung des Fahrzeugs an der Ladesäule und auch kurze HPC-Kabel können einfach angeschlossen werden.

Bei unseren EMC Meetings in Wien, Salzburg, Zürich, Tirol, und Niederösterreich konnte der e-Niro ausgiebig von unseren EMC Mitgliedern und anderen Elektromobilitätsinteressierten getestet werden. Das Feedback war durchwegs positiv. Das Auto gefällt, es fährt sich gut, es ist geräumig und der Preis in Relation zur hohen Reichweite findet Gefallen.

Es gibt wenige Kritikpunkte. Der wichtigste Wermutstropfen ist die lange Lieferzeit. Wenn man jetzt bestellt, wird man das Auto wahrscheinlich heuer nicht mehr bekommen, man muss sich 12 bis 14 Monate auf die Lieferung gedulden. Leider gibt es in Europa für den e-Niro derzeit keine App, unsere von anderen Elektroautos verwöhnten Tester vermissten den Fernzugriff, insbesondere die Möglichkeit, das Auto aus der Ferne vorzuheizen. Der bloß einphasige Wechselstromlader schränkt die Ladegeschwindigkeit zu Hause oder auf öffentlichen AC-Ladesäulen deutlich ein. Der Klang aus der Soundanlage war OK, jedoch nicht im Spitzenbereich. Diese wenigen Kritikpunkte schmälerten die Begeisterung trotzdem nur wenig. Alle Testfahrer waren vom dem e-Niro sehr begeistert.

Zum Abschluss machten wir noch einmal einen Winterreichweitentest. Wir fuhren ohne Zwischenladung von Salzburg über Steyregg nach Klosterneuburg, auf besonderen Wunsch einer Mitfahrerin mit 24° Innentemperatur. Die Reichweitenanzeige bestärkte uns: auch mit 120 km/h auf der Autobahn sollte sich das ausgehen. Tatsächlich: nach 325 gefahrenen km kamen wir mit einem bequemen Polster von 35 km zu Hause an. Reichweitenprobleme im Winter? Nicht mit dem Kia e-Niro!

Kia e-Niro - Härtetest » images Kia e-Niro – Preisliste [PDF, 2,1 MB]