Kia EV3 im Test: Effizientes Raumwunder mit Kompromissen

Mit dem neuen EV3 bringt Kia ein elektrisches Kompakt-SUV auf den Markt, das gezielt gegen etablierte Mitbewerber positioniert wird. Wir haben die Version mit der 81,4-kWh-Batterie auf ihre Alltagstauglichkeit und technische Effizienz geprüft.

Einleitung

Das Segment der kompakten Elektro-SUVs ist stark umkämpft. Während einige Hersteller in dieser Klasse auf minimalistische Konzepte oder Kosteneinsparung setzen, versucht Kia, wesentliche Elemente der größeren Baureihen in ein kompakteres Format zu transferieren. Der Fronttriebler liefert 150 kW Leistung und verspricht auf dem Papier eine Reichweite nach WLTP-Zyklus von 605 Kilometern. Wir haben den EV3 in der GT-Line mit dem großen Batteriepaket mit 81,4 kWh einem ausführlichen Test unter winterlichen Bedingungen unterzogen.

Karosserie, Innenraum, Material

Angelehnt an die größeren Modelle, entspricht die Designsprache dem kantigen Aussehen von EV5 und EV9. Die eng verwandte Lichtsignatur, die markante Motorhaube sowie das breite Heck lassen das Auto als Miniaturversion im Vergleich erscheinen und betonen die verkürzte Bauweise. Trotz seiner vergleichsweise kompakten Abmessungen von gut 4 Metern Länge und 1,8 m Breite bietet der Kia EV3 eine bemerkenswerte Raumökonomie. Im vorderen Bereich der Kabine stellt sich ein überdurchschnittlich großzügiges Raumgefühl ein, das durch die Gestaltung der Instrumententafel und die flache Bodenstruktur begünstigt wird. Hinsichtlich der Materialauswahl und der Haptik hinterlässt das Interieur einen hochwertigen Eindruck. Das Design ist aufgeräumt, modern und an nahezu allen alltäglichen Berührungspunkten angenehm unterschäumt. Der Stauraum in der Mittelkonsole bietet reichlich Ablageflächen und wird durch eine ausfahrbare Plattform abgerundet, die besonders Ladepausen funktional ergänzt. Ebenso erwies sich die V2L-Funktion als auch die Steckdose im Innenraum in unserem Test als nützliches Feature.

Auf der Rücksitzbank setzt sich der Eindruck der Geräumigkeit fort. Selbst Personen mit größeren Abmessungen finden hier ausreichend Bein- und Kopffreiheit vor. Das reguläre Ladevolumen im Heckabteil beläuft sich auf 460 Liter und lässt sich durch das Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1251 Liter erweitern. Dabei überzeugt die kantige Ausgestaltung, die es ermöglicht, trotz abfallender Hecklinie den nutzbaren Stauraum maximal auszureizen. Zusätzlich steht unter der Motorhaube ein sogenannter Frunk mit 25 Litern Volumen zur Verfügung, der ausreichend Platz für Ladekabel bietet.

Bedienung & Infotainment

Die Displaylandschaft setzt sich Kia-typisch aus drei Bildschirmen zusammen, wobei der mittlere für die Klimasteuerung reserviert ist. In der Praxis erfordert die teils verdeckte Positionierung des kleinen Klima-Displays durch den Lenkradkranz eine gewisse Eingewöhnungszeit. Die Menüstruktur des Hauptbildschirms reagiert zügig und logisch, verliert sich allerdings teils in Untermenüs. Abhilfe schafft dabei aber die zuverlässige Suchfunktion, mit der sich auch versteckte Einstellungsmöglichkeiten auffinden lassen.

Ein essenzieller Aspekt für die Langstreckentauglichkeit ist die integrierte Routenplanung. Diese berücksichtigt notwendige Ladestopps zuverlässig, inklusive hilfreicher Zusatzdaten, und initiiert automatisch eine Vorkonditionierung der Hochvoltbatterie, sobald ein entsprechender Schnelllader als Ziel im Navigationssystem hinterlegt ist. Ladestand am Ziel und Ladesäule lassen sich weitgehend einstellen, jedoch ist das System grundsätzlich vorsichtig eingestellt. Personen mit mehr EV-Erfahrung stoßen mitunter an die Grenzen der Routenplanung, wenn geringe Restreichweiten gewünscht sind.

Die Konnektivität wird durch eine vollumfängliche Integration von Apple CarPlay und Android Auto sichergestellt, welche zügig funktionieren und zuverlässig starten. Sprachsteuerung ist ebenso vorhanden, jedoch im Wesentlichen auf Standard-Befehle beschränkt.

Assistenz & Sicherheit & Licht

Wie zu erwarten, ist der EV3 in der GT-Line mit einer umfangreichen Ausstattung an Fahrerassistenzsystemen bestückt. Der adaptive Tempomat und die Spurführung arbeiten auf der Autobahn harmonisch und halten das Fahrzeug sicher in der Mitte der Fahrspur. Allerdings neigt die sicherheitszentrierte Programmierung in einigen Situationen, besonders auf Autobahnen oder Landstraßen, zu ängstlichem Verhalten und erfordert das vorausschauende Eingreifen für einen reibungslosen Ablauf. Zusätzlich sind in diesem Zusammenhang die häufigen und penetranten Warnmeldungen der Assistenzsysteme zu erwähnen, die eine ablenkungsarme Fahrt verhindern können.

Sehr hilfreich hingegen sind die Parkkameras, die mit hoher Auflösung die Distanzen vermitteln. Zusätzlich können mit wenigen Eingaben Felgenkamera oder andere hilfreiche Ansichten ausgewählt werden. Auch das Head-up-Display bietet eine ideale Ergänzung zum Fahrer:innendisplay und enthält alle relevanten Fahrinformationen. Ebenso wurden die Navigationsanweisungen intuitiv integriert.

Das Fernlicht bietet ausreichende Ausleuchtung der Fahrbahn, könnte jedoch an den Rändern stärker ausfallen. Das automatische Ein- und Ausschalten des Fernlichts funktioniert zuverlässig, und erkennt auch in Kurven frühzeitig den Gegenverkehr.

Antrieb & Fahrverhalten

Angetrieben wird der Kia EV3 von einem Elektromotor an der Vorderachse der 150 kW leistet und ein maximales Drehmoment von 283 Nm bereitstellt. Die Beschleunigung mit 7,7 Sekunden erfolgt unmittelbar und lässt auch sportlichere Fahrweisen zu. Das Fahrwerk zeichnet sich durch eine ausgewogene Abstimmung aus, die den Fokus klar auf den Fahrkomfort legt, jedoch die Wank-Neigung spürbar reduziert. Die Lenkung vermittelt eine solide und direkte Rückmeldung, wodurch sich das Fahrzeug präzise dirigieren lässt.

Ein Highlight für EV-Enthusiasten sind die KIA-typischen Rekuperationsstufen und die zugehörigen Wahlhebel hinter dem Lenkrad. Damit lässt sich jede gewünschte Rekuperationsstufe, von Gleiten bis adaptives One-Pedal-Driving, intuitiv einstellen. Der Übergang zwischen generatorischer und mechanischer Bremsung verläuft unauffällig und gut dosierbar. Lediglich der Wendekreis mit fast 11 Metern ist eher durchschnittlich und dämpft in Verbindung mit dem boxigem Fahrgefühl aufgrund der breiten Motorhaube die Agilität in der Stadt. Abhilfe schaffen in engen Situation aber die bereits erwähnten umfangreichen Kamerasysteme.

Verbrauch & Reichweite

Trotz seiner kompakten Maße wartet der EV3 mit einer Bruttokapaziät von 81 kWh im Antriebsstrang auf und garantiert damit selbst unter winterlichen Bedingungen eine akzeptable Reichweite. Exklusive Heizung konnten wir einen Verbrauch laut Bordcomputer von rund 18-19 kWh in der Stadt messen, der allerdings inklusive komfortabler Innenraumtemperatur auf 22-24 kWh steigt. Auf der Landstraße pendelten sich die Verbräuche zwischen 21-23 kWh ein und auch Autobahngeschwindigkeiten benötigten mit 23-25 kWh kaum merklich mehr. So sind trotz kantigem Design reale Reichweiten im Winter zwischen knapp 320-400 km möglich.

Laden

Bei der Ladeinfrastruktur geht Kia im EV3 einen anderen Weg als bei den größeren Modellen EV6 und EV9. Anstelle des 800-Volt-Netzes kommt hier eine konventionelle 400-Volt-Architektur zum Einsatz. Dies limitiert die maximale Gleichstrom-Ladeleistung (DC) auf einen moderaten Peak von 128 kW. Wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass die Ladeleistung konstant bis knapp 60% gehalten wird und dann stufenartig abfällt. Dadurch ergibt sich ein breites Ladeband, was zusätzliche Flexibilität ermöglicht. Dennoch sind von 10 auf 80 gut 30 Minuten nötig.

An Wechselstrom-Säulen (AC) lädt das Fahrzeug mit den lediglich 11 kW, was insbesondere als Kompaktwagen für städtisches Gebiet bei der Batteriegröße mit rund 7 Stunden Ladedauer nicht ideal ist. Der Ladeport vorne rechts an der Beifahrerseite ist gut erreichbar für die unterschiedlichen Anforderungen platziert.

Fazit

Der Kia EV3 präsentiert sich in unserem Test als ein durchdachtes und vielseitiges Kompakt-SUV. Zu den primären Stärken zählen zweifellos die großzügigen Platzverhältnisse, die alltagstauglichen Reichweiten und der hohe Nutzwert durch praxisorientierte Funktionen. Zwar ist die Ladeleistung kein Spitzenwert, jedoch gleicht diesen Nachteil die sehr konstante Leistungsaufnahme aus. Die Schwächen konzentrieren sich im Wesentlichen auf die softwareseitige Programmierung der Assistenzsysteme und die akustischen Warnungen.  Familien oder urbane Alltagsfahrer:innen, die ein geräumiges und dennoch kompaktes Fahrzeug mit vielen Individualisierungsmöglichkeiten suchen und beim Schnellladen geringfügige Kompromisse einzugehen bereit sind, finden im KIA EV3 mit Sicherheit einen geeigneten Kandidaten.

Technische Daten

Preis € 53 190
Leistung 150 kW
max. Drehmoment 283 Nm
Beschleunigung 7,7 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Leergewicht + Fahrer:in 1 885 kg
Ladevolumen 460 L– 1251 L (Rücksitze umgeklappt)
Batteriekapazität (netto) 81,4 kWh
Ladegeschwindigkeit (AC/DC) max. 11 kW/max. 128 kW
Reichweite (WLTP) 605 km
Abmessungen (L/B/H) 4310 mm /1850 mm/ 1570 mm

 

Redaktioneller Hinweis: Das Testauto wurde von KIA für einen Zeitraum von zwei Wochen für einen Praxistest zur Verfügung gestellt. Es wurde kein Einfluss auf unsere Berichterstattung genommen.

Social share