Die Automatisierung in Österreich schreitet voran

Im kürzlich erschienenen Bericht finden Sie Informationen zu neuen Entwicklungen aus dem Bereich des Testens und Pilotierens in Österreich sowie internationale Vorhaben aus beispielsweise Singapur oder Frankreich. Erfahren Sie, welche (rechtlichen) Rahmenbedingungen sich geändert haben, welche nächsten Schritte vor uns liegen und welche Forschungsaktivitäten rund um automatisierte Mobilität in und aus Österreich initiiert wurden. 

Durch eine Fülle an neuen Mobilitätstechnologien und die wachsende Urbanisierung, ist zurzeit eine grundlegende Veränderung im Personen- und Güterverkehr zu beobachten. Um diesen Wandel für alle Bevölkerungsgruppen gleichberechtigt vollziehen zu können, ist die Einführung neuer Mobilitätslösungen und die Fähigkeit, dynamisch auf neue Nachfrage- und Angebotsmodelle zu reagieren, notwendig. So können gleichzeitig auch Städte die Umge-staltung zu lebenswerten, CO2-neutralen und intelligenten Räumen gut meistern.

Die Entwicklung eines vernetzten, automatisierten, gemeinsam genutzten und elektrifizierten Mobilitätssystems wird von drei (kurz-, mittel- und langfristigen) Handlungsperspektiven geleitet.Bereits heute sind viele auf dem Markt erhält-liche Fahrzeuge mit Fahrassistenzsystemen wie adaptivem Tempomat oder Spurhalteassistenten ausgestattet, um die FahrzeugführerInnen bei Fahraufgaben zu unterstützen. Eine adäquate Ausbildung zum richtigen Einsatz dieser Systeme erhalten die NutzerInnen jedoch weder während der Fahrausbildung noch beim Kauf der Fahrzeuge. Durch „Learning by doing“ ist bereits eine große Akzeptanz dieser Systeme in der Bevölkerung erkennbar. Internationale Studien sowie Umfragen zeigen zudem, dass sich die NutzerInnen dieser serienmäßig zugelassenen Systeme (SAE-Level 1 und 2) „ausreichend gut“ informiert haben und sich bei ihrer Anwendung sicher fühlen.

Auf der infrastrukturellen Ebene sind mittelfris-tige Anpassungen notwendig. Der Umgang mit der knappen Ressource Raum und die Nutzung des öffentlichen Raums bei der Planung von zu-kunftsfähigen Infrastrukturen sind wichtige Faktoren für „No-Regret-Investitionen“. Zugleich können eine leistungsfähige Personen- und Güterbeförderung und die gleichwertige Versorgung der NutzerInnen mit Mobilitätsdiensten nur durch gezielte Verkehrsmanagement- und -steuerungsmaßnahmen erreicht werden. Hier kann man von Großstädten wie Singapur lernen, die den öffentlichen Verkehr im urbanen Raum zu Lasten des Privatverkehrs massiv ausbauen. Im Vordergrund stehen keine individuellen Bedürfnisse, sondern ein besseres Zusammenspiel der Städte und Regionen, um das Verkehrssystem effizient und umweltverträglich an eine stärker integrierte Mobilität anzupassen. Die Einbindung der Bevölkerung in die Planung und Entwicklung darf dabei nicht vernachlässigt werden. Die Erkenntnisse aus dem BürgerInnen-Dialog Automatisierte Mobilität bestätigen, wie wichtig es ist, alle Partner und Beteiligte frühzeitig einzubinden, um die Automatisierung der Mobilität bestmöglich zu gestalten und die Entwicklung auf allen Ebenen zu begleiten.

„Wir müssen die Einstellungen und die Bereitschaft der Bevölkerung von heute ebenso im Blick haben wie das antizipierte Verhalten von morgen. Wie können wir einen transparenten Prozess gestalten, um in einer nachhaltigen und automatisierten Zukunft anzukommen?“ Martin Russ Geschäftsführer AustriaTech

Automatisierte Mobilität birgt ein großes Potenzial zur Erhöhung der Straßenverkehrssicher-heit, zur Förderung der sozialen Integration durch einen besseren Zugang zu Verkehrsmitteln und zur Verringerung von Emissionen. Damit dieses Potenzial voll ausgeschöpft werden kann, müssen jedoch eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass die Gesellschaft insgesamt darauf vorbereitet ist. Es gibt bereits zahlreiche Bestrebungen, einen gemeinsamen Fahrplan für den Einsatz automatisierter Mobilität auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zu erarbeiten. Auf der infrastrukturellen Ebene haben sich zu diesem Zweck verschiedene europäische F&E-Projekte wie INFRAMIX, ARCADE, TransAID, CoExist und MAVEN zusammengeschlossen. In dem von Horizon 2020 geförderten Projekt SHOW haben sich 69 europäische Partner zusammengetan, um in den nächsten vier Jahren die Folgenabschätzung vernetzter, elektrifizierter und automatisierter Fahrzeugflotten in städtischen Um-gebungen zu untersuchen. Die European CCAM Single Plattform und die zwei Projekte ARCADE und Headstart sind nur eine kleine Auswahl der Akteure, die an der Harmonisierung von Forschungs-, Pilot-, Test- und Bereitstellungs-tätigkeiten auf internationaler Ebene im Bereich CCAM arbeiten. Die in diesem Monitoringbericht angeführten Aktivitäten sind nur ein Auszug der aktuellen weltweiten Entwicklungen im Zusammenhang mit vernetzter und automatisierter Mobilität unter Beteiligung österreichischer Akteure.

In Österreich verzeichnete die Kontaktstelle Automatisierte Mobilität im Jahr 2019 zahlreiche Anträge für Tests auf Straßen mit öffentlichem Verkehr. Im Rahmen der Automatisiertes Fahren Verordnung haben die Projekte Digibus® Austria, auto.Bus – Seestadt und SURAAA Testfahrten mit automatisierten Shuttles in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Salzburg und Kärnten durchgeführt. Tests für den Anwendungsfall Autobahnpilot mit automatisiertem Spurwechsel wurden von Magna, Virtual Vehicle und ZKW durchgeführt. In zahlreichen Themenworkshops wurde 2019 der Bedarf zum Testen neuer automa-tisierter Fahrfunktionen außerhalb des aktuel-len Rechtsrahmens diskutiert und erhoben, um rechtzeitig mögliche rechtliche Anpassungen in die Wege leiten zu können. Dabei wurden verschiedene Konzepte für fahrerlose Fahrzeuge erörtert, deren automatisierter Betrieb auf Straßen mit öffentlichem Verkehr in unterschiedlichen Projekten getestet werden soll. Das Jahr 2019 hat gezeigt, dass auf unterschiedlichen Ebenen Handlungsbedarf für verschiedene Institutionen besteht. Ob rechtliche Rahmen-bedingungen, ein Ausbau von Infrastruktur und Testgeländen oder neuen Formaten, um die Bevölkerung miteinzubeziehen – es gilt in allen Bereichen nächste Schritte umzusetzen, um die Automatisierung der Mobilität weiter voran zu bringen.

Die Automatisierung in Österreich schreitet voran » imagesDownload Bericht – Automatisierte Mobilitat in Oesterreich 2019 [PDF, 6 MB]

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