Volkswagen ID.3 – Praxistest

Der VW ID.3 ist inzwischen eines der meistverkauften Elektroautos in Europa. Wir hatten nun fast eine ganze Woche Zeit dieses Auto zu testen. Unser Testwagen ist ein ID.3 First Edition und kommt in Farbe “Makena Türkis” daher. Das Feedback das wir bekomme haben , deckt sich mit der Meinung unseres Testers Paul Belcl,  “geile Farbe”.

Das Auto gefällt von außen und innen sehr gut! Die Anordnung des zentralen Bildschirmes ist zwar geschmacksache, sie sorgt aber für ein sehr flaches Armaturenbrett und mit den Dreieckscheiben vor den vorderen Fenstern für eine tolle Übersicht. Die Sitzposition ist hervorragend und bei der Lenkradverstellung fällt sofort positiv auf, dass das Tachodisplay in der Höhe mitwandert. Perfekt gemacht, denn normalerweise schränkt die Lenkradverstellung in manchen Stellungen die Sicht auf den Tacho ein, das hat Volkswagen beim ID.3 perfekt gelöst.

Technik

Der ID.3 in der First Edition war das “Zuckerl” für die ersten Besteller. Sie bekamen ein überdurchschnittlich ausgestattetes Auto zu einem guten Preis. Die Batterie hat 58 kWh Energiegehalt, der Motor leistet maximal 150 kW und 310 Nm. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 160 km/h abgeregelt. Geladen wird mit Wechselstrom bis 11 kW oder am Schnellader bis zu 125kW (je nach Ausstattung!). Unser Testwagen hat eine Top Ausstattung inkl. Panoramadach, Massagefunktion für Fahrer & Beifahrer, 20 Zoll Alufelgen, Rückfahrkamera, viele Assistenzsysteme, Ambiente Beleuchtung und vieles mehr. Weitere Details zu Ausstattung könnt ihr euch im Konfigurator auf der Webseite von Volkswagen ansehen.

Praxistest

Bei der ersten Fahrt von der Innenstadt über die Stadtautobahn fällt uns die hervorragende Sitzposition auf. Die elektrische Sitze lassen sich sehr flexibel einstellen und das Lenkrad kann überdurchschnittlich hoch und tief verstellt werden. Hervorragend finden wir, dass das Tachodisplay an der Lenksäule befestigt ist und somit mit dem Lenkrad in der Höhe verstellt wird! Dadurch kann man es so einstellen wie man es wirklich braucht, ohne dass dadurch die richtige Sicht auf den Tacho verstellt wird. Das haben wir noch bei keinem Testauto gesehen. Die Sicht auf den Tacho wäre allerdings gerade im ID.3 nicht nötig, da es gegen Aufpreis auch ein hervorragend ablesbares HUD gibt. Die Projektion in der Frontscheibe ist auch bei grellem Sonnenlicht hervorragend ablesbar und zeigt auch Informationen des Assistenz Systems an, gefällt uns sehr gut!

Zum Starten muss man keinen Knopf mehr drücken, sondern einfach auf dem Wählhebel an der Lenksäule die Fahrtrichtung auswählen. Anfangs etwas ungewohnt, aber sehr intuitiv und sinnvoll. Auch beim Abstellen reicht es den Park Knopf am Wählhebel zu drücken und danach, die Türe zu öffnen. Am zentralen Display werden dann alle Optionen angezeigt, die zu der aktuellen Situation Sinn machen, beispielsweise die Klimaanlage aktiviert zu lassen, wenn man nur kurz mal eine Zeitung holt und gleich wiederkommt. Solch gut durchdachte Funktionen haben wir bis jetzt nur beim Honda-e gesehen.
Was etwas stört sind die “Touch Slider / Tasten” die überall im Fahrzeug verbaut sind, obwohl diese grundsätzlich gut funktionieren. Wir haben trotzdem manchmal das Gefühl, dass unsere Befehle über diese Touch Dinger nicht so akkurat übertragen werden, wie mit echten Tasten. Speziell beim adaptiven Tempomat wird oft +10 km/h umgesetzt obwohl nur +1km/h eingegeben werdne sollte!
Auch die Lautstärke am Lenkrad durch drücken zu verstellen ist mühsam solange bis wir rausfinden, dass man das auch mit darüberstreichen machen kann. Ob das im Winter auch mit Handschuhen funktioniert, würden wir gerne mal ausprobieren …

Fahrgefühl – Abmessungen

Mit dem ID.3 in der 1St Edition kommt niemals das Gefühl schlecht motorisiert zu sein. Der Heckantrieb sorgt nicht nur für einen tollen Antritt, sondern auch für einen sehr kleinen Wendekreis von etwas über 10 Metern. Mit einer Länge von 4,26 Metern und einer Breite von 1,81 Metern fühlt er sich schlank und wendig an. Der Kofferraum ist mit 385 Litern ausreichend groß einen Wagen dieser Größe. Die Höhe von 1,57 Metern macht ihn nicht zu einem SUV, aber der Einstieg ist angenehm. Auf der hinteren Sitzbank fühlt man sich gut aufgehoben.

Mittelstrecke – Autobahn

Heute ging es über die Westautobahn ca. 140 km nach St. Oswald.
Zumeist Autobahn immer an der erlaubten Geschwindigkeit meist Tacho 135 km/h. Die Klimaanlage war auf 20 Grad eingestellt da es draußen zeitweise 37 Grad heiß war.  Der Verbrauch lag bei der Ankunft bei ca. 22,8 kWh, das ist nicht schlecht. Die Klimaanlage braucht übrigens in der Automatik Funktion  ca. 1-2 kW. Bei Ankunft waren noch 40% SOC über.

Da es bei gewählten Restaurant eine Lademöglichkeit gibt, hängen wir uns gleich mal an. Der 11kW Lader bringt das Auto bis nach dem Mittagessen mit 18,36 geladenen kW wieder auf über 60%.

Der Rückweg führt uns nicht mehr über die Autobahn, sondern auf der Bundesstraße zurück Richtung Wien. Während der Fahrt sehen wir auf dem Energiebildschirm, dass der Wagen mit aktivierter Rekuperation bis zu 60 kW rückladen kann, wenn man von höherer Geschwindigkeit das Strompedal loslässt, das ist ein guter Wert! Bei der Rückfahrt lassen wir uns durch die Gegend treiben, somit werden es weitere 200 km bis wir wieder in Wien ankomme. Mit 9% SOC und einen Verbrauch von ca. 19,5 kWh/100 km für die gesamte Tagesfahrt von 356 km kommen wir am Hypercharger am Verteilerkreis an.

Schnelladen

Dort steht der ID.3 am Schnellader, während wir uns ungesundes Essen reinstopfen und bekommt in Summe ca. 43 kWh Ladung auf einen SOC von 76% in 32 Minuten, das ist nicht schlecht! Wenn man sich die Ladekurve ansieht, die mit dem Aviloo Adapter aufgezeichnet wurde (Danke für die Teststellung!), sieht man, dass die 1St. Edition mit maximal 100 kW landen kann. Die Ladekurve braucht am Anfang etwas bis sie in Fahrt kommt, danach bis 100kW ansteigt um bei 76% noch immer mit 50 kW zu laden. Ein guter Wert, der mit dem großen 77 kWh Akku im ID.3 Topmodell sicher noch getoppt werden kann, da dieser bis maximal 125 kW lädt.

Der Ladeanschluß ist mit dem Deckel soweit gut verschlossen, dass es nur für den CCS-Teil des Steckers eine Abdeckung braucht. Der Typ 2 Anschluss kommt daher ohne Kappe aus. Das spart viel Gefummel beim Aufladen zu Hause.

Hallo ID

Natürlich gibt es bei Volkswagen auch eine Sprachsteuerung, die mit “Hallo ID” initiiert wird. In unserem Test gelingt es oft hervorragend Leute anzurufen, die Klimaanlage zu steuern oder Navigationsziele einzugeben. Kaum sitzt jemand im Auto, dem wir das zeigen wollen, ist die kleine “ID” eher zickig, als würde unser Beifahrer auf dem Mikrofon der Sprachsteuerung sitzen.
Wir gehen allerdings davon aus, dass es sich hier um den sogenannten Vorführeffekt handelt. Im großen und ganzen klappt die Sprachsteuerung gut, wenn man sich etwas an die Anforderungen anpasst! Bei Navigationszielen macht es durchaus Sinn zuerst den Zielort, vor der Andresse anzusagen und die Hausnummer vorerst wegzulassen, dann wird nicht nur das Fahrziel besser gefunden, sondern man bekommt sogar das Gefühl mit der “ID” ein Gespräch zu führen …

Ambiente und Sonderausstattung

Wählt man die Option des aufpreispflichtigen Ambiente Light, bekommt man eine sehr hübsche LED Beleuchtung, die man sich selbst in der Farbe einstellen kann. Sowohl der Hintergrund des Display, als auch die LEDs in den Türleisten nehmen dann diese Farbe an. Zusätzlich gibt es noch unter der Frontscheibe ein LED Band, welches Situationsabhängig in bestimmten Farben erscheint. Beim Abbiegen gibt es ein blaues Laufband in Fahrtrichtung, oder beim Laden sieht man den Ladestand und dass gerade geladen wird. Alles in Allem gefällt uns diese etwas verspielte Anzeige sehr gut. Ob wir dafür einen Aufpreis bezahlen würde, lassen wir dahingestellt.

Wofür wir uns allerdings überlegen würde, einen Aufpreis zu bezahlen ist das Head over Display. Die Anzeige im Fahrersichtfeld spiegelt nicht nur Informationen des Tachos in die Scheibe, sondern auch Leitlinien des Spurassistenten, Navigationsanweisungen und wichtige Infos des adaptiven Tempomaten. In Summe bekommt man damit immer eine gute Übersicht welche Helferleins gerade aktiv sind und welchen Status sie haben. Wirklich sehr nützlich!

Interessant ist, dass optional ein Fahrradträger mit bis zu 75 kg Stützlast möglich ist. Außerdem kann man sich auch Sportsitze oder die edlen Massagesitze bestellen, die auch in unserem Testfahrzeug verbaut waren. Hervorragend geeeignet für längere Staus oder Pausen im Auto.
Das optional verfügbare Panoramadach mit der riesigen Glasfläche, die fast über die gesamte Dachbreite reicht, kann über ein elektrisches Sonnenrollo, abgedunkelt werden. Mit “Hallo ID” “zeig mir die Sterne” kann es geöffnet werden.

Fazit

Der VW ID.3 hinterlässt einen starken Kaufimpuls, ähnlich wie beim Tesla Model3 oder beim Honda-E. Nicht weil er besser ist, sondern weil er besser zu dem passt, was wir von einem Mittelklasse PKW erwarten. Ein praktisches kompaktes, leistungsstarkes Auto mit Langstreckentauglichkeit, womit auch mal zwei Fahrräder transportiert werden können. Und das zu einem halbwegs erträglichen Preis. Und all das hat der Volkswagen ID.3.

Die speziellen Touch/Slider Tasten sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber dafür gefallen uns viele “situationsabhängige Funktionen” sehr gut, die wir an vielen Stellen im Ablauf der Bedienung des ID.3 finden konnten.

Der Preis beginnt ab € 34.590,- und kann im Konfigurator mit vielen tollen Ausstattungsoptionen auf über € 50.000,- hochkonfiguriert werden. Mit all den schicken Funktionen, die unser Testwagen hat, wird der Preis voraussichtlich näher bei € 50.000,- zu finden sein. Mit dem ID.3 hat Volkswagen vieles richtig gemacht, daher verkauft er sich bisher auch ausgesprochen gut. Für uns ein gut durchdachtes Fahrzeug mit Langstreckentauglichkeit mit ausreichend Erweiterungsmöglichkeit für große Individualität.

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