E-Mobilität für Gemeinschaftsverkehr: E-Bürgerbusse und e-Rufautos

Die CVD der EU im Rahmen des European Green Deal hat deutliche Auswirkungen auf die Fahrzeugflotten im ÖPNV. Manche großen Betriebe setzen das sehr ambitioniert um, die Hamburger Hochbahn wird bis 2030 sogar die gesamte Busflotte auf alternative Antriebe umstellen.

Im Bürgerbus-Bereich verläuft die Entwicklung jedoch leider nicht wie erwartet bzw. erhofft. Vorgaben wie das Maximalgewicht oder die Barrierefreiheit erschweren die Elektrifizierung. In D werden Fahrzeuge für den Bürgerbus-Einsatz oder Rollstuhl- Transport sogar von der CVD befreit. Ein weiteres Problem ist eine hohe Fluktuation von entsprechenden Förderprogrammen mit oft sehr kurzen Eingabe-Zeitfenstern. Dadurch ist eine Planung meistens nur schwer oder gar nicht möglich.

Barrierefreie Umbauten (Niederflur-Busse mit Elektroantrieb) gibt es von Tribus auf Basis des Crafter oder MAN, von FIDE-Bus mit der Front des Nissan e-NV200 und dem Akku auf dem Dach und von Steinborn. Von den verfügbaren kompakten Serien e-Bussen eignen sich nur 2 Modelle für den Einsatz als e-Bürgerbus: der e-Ducato und der Maxus EV80 (Anmerkung: der nun Ende 2021 bzw. aktuell vom Nachfolger Maxus e-Deliver9 abgelöst wird).

Auffallend ist, dass es für den Einsatz als Bürgerbus zwar nur 2 geeignete Serien- Elektrobusse, aber ein erheblich größeres Angebot an e-Transportern gibt. Daher stellt sich auch die Frage nach einem Umbau und was dann einfacher und sinnvoller ist: Der Umbau eines Diesel-Busses zum e-Bus oder der Umbau vom e-Transporter zum e-Bus?

Der aktuelle Druck aus der Wohnmobilbranche dürfte ein erweitertes Angebot bewirken. Wie bei den e-Bürgerbussen ist auch dort das zulässige Maximalgewicht von 3,5 t ein weiteres Problem, dem beim Bürgerbus eventuell sogar ein Sitzplatz geopfert werden muss. (wie z.B. beim Maxus EV80 mit Linearlift). Daher sollte man die Entwicklung nicht nur abwarten, sondern auch selbst aktiv durch entsprechenden Einsatz mitgestalten, was durch 2 Maßnahmen erfolgen kann:

  • Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen durch eine Anhebung des zulässigen Gesamtgewichtes von 3,5 auf 4,2 Tonnen, sofern das Mehrgewicht dem Elektroantrieb zuzuschreiben ist.
  • Erstellung eines gemeinsamen Lastenheftes für die Industrie, vergleichbar mit der Initiative des Bäckers Schüren. (Auch bei diesen Workshops war Gerald Swoboda vom EMC vor Ort aktiv dabei). Es kam allerdings auch die Frage auf, ob der Markt dafür groß genug ist, denn in D wird der Bedarf an Bürgerbussen auf etwa 400 Stk. geschätzt, die dann aber jeweils 8 Jahre im Einsatz sind.

Bei den als e-Rufautos geeigneten Elektrofahrzeugen ist die Auswahl mittlerweile erfreulich groß und wächst laufend. In diesem Bereich kommen auch geräumige PKWs zum Einsatz. Wegen der Platzverhältnisse und des bequemen Einstiegs für betagte Fahrgäste machen da auch e-SUVs Sinn. Anmerkung: Deren Allradantrieb wäre auch für die e-Bürgerbusse beim Einsatz in Regionen mit entsprechendem Höhenprofil oder generell bei winterlichen Bedingungen von Vorteil.


E-Mobilität für Gemeinschaftsverkehr: E-Bürgerbusse und e-Rufautos | IMG 4103
Gerald Swoboda, dritte Person von links

Durch die internationale Vernetzung des EMC und die aktive Teilnahme an entsprechenden Projekten sammelt der EMC auch in speziellen Anwendungsbereichen wertvolle praktische Erfahrungen.

Während seiner Zeit als Klimaschutzmanager in D hat Gerald Swoboda, aktives Mitglied und Innovationscoach des EMC, Anfang 2019 über 2 Monate einen winterlichen Härtetest mit einem barrierefreien e-Bus auf Basis des Maxus EV80 organisiert, der von der NVBW (Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg) unterstützt und ermöglicht wurde: www.mogeok.de/emcmaxustrial

Gerald Swoboda ist durch die gesammelten Erfahrungen auch im Expertenbeirat für Gemeinschaftsverkehre in Baden Württemberg und hat dadurch auch aktiv an den Workshops sowie beim nachfolgenden Fachforum mit der Präsentation der Ergebnisse teilgenommen: www.buergerbus-bw.de/ergebnisse-online-fachforum-elektromobil-im-gemeinschaftsverkeh

Um die gesammelten Daten pflegen und laufend aktualisieren zu können, freuen wir uns über Rückmeldungen, Erfahrungen und Berichte aus anderen Projekten bzw. Regionen beim ambitionierten Einsatz von Elektrofahrzeugen.

Social share

Unsere Partner