KIA EV4 im Test: Als Fastback fast perfekt für die Langstrecke

Mit dem EV4 bietet KIA die klassische Kompaktform an, wahlweise als Hatchback oder als Fastback-Limousine. Wir haben die Fastback-Variante in der GT-Line mit der großen 81,4-kWh-Batterie einem zweiwöchigen Wintertest unterzogen und rund 1 500 Kilometer über lange Autobahnetappen, Überlandstrecken und verschneite Alpenstraßen absolviert. Kann der windschnittige Stromer sein Reichweiten-Versprechen auch bei Schnee und Kälte einlösen?

Einleitung

In der elektrischen Kompaktklasse kommt aufgrund hoher Nachfrage Fahrt auf und KIA bedient diesen Markt mit dem EV4 zweigleisig: Der Hatchback misst 4,43 Meter, die hier getestete Fastback-Limousine streckt sich auf 4,73 Meter. Den Vortrieb übernimmt in beiden Fällen ein Frontmotor mit 150 kW und 283 Nm, versorgt wahlweise aus einer 58,3- oder der getesteten 81,4-kWh-Batterie. Auf dem Papier verspricht KIA für den Fastback bis zu 633 Kilometer WLTP-Reichweite. Ob die Reichweiten-Ansage auch der Realität standhält, haben wir unter erschwerten Bedingungen überprüft: viel Schnee, überwiegend nasse Fahrbahn und ein Fahrprofil mit hohem Autobahnanteil quer durchs Land bis in alpines Terrain.

Karosserie, Design & Innenraum

Die Fastback-Form ist zweifellos ein Statement und das Design gewöhnungsbedürftig. Während des Tests erregte der KIA regelmäßig Aufsehen und neugierige Blicke, aber auch Interesse. Besonders der Innenraum untermauert den gehobenen Anspruch und überzeugt mit hochwertiger Materialauswahl sowie solider Verarbeitung. Für optische Abwechslung sorgen die gekonnt platzierten Kontrastpunkte aus hellen und dunklen Materialien in Kombination mit den intuitiv gelegten Bedienelementen und Knöpfen.

Beim Platzangebot zeigt sich ein gemischtes Bild. In der vorderen Sitzreihe ist ausreichend Platz, und die Mittelkonsole sowie Seitenfächer bieten reichlich Ablageflächen für den Alltag. In der zweiten Reihe fällt die Beinfreiheit trotz des langen Radstands überraschend knapp aus und bietet keinen Fußraum unter den Vordersitzen. Auch die Kopffreiheit ist für größere Personen aufgrund der Karosserieform knapp bemessen. Auch der Kofferraum verlangt Kompromissbereitschaft: Die 435 Liter sind sehr tief geschnitten und durch die flach abfallende Heckklappe der Limousinenform schlecht für Koffer und sperrige Gegenstände nutzbar. Zusätzlich verfügt der EV4 über keinen Frunk, wodurch das Ladekabel bei voller Beladung nirgends sinnvoll verstaut werden kann.

Bedienung & Infotainment

Bei der Bedienung bleibt KIA seiner Linie treu: Die Menüführung reagiert flott und folgt der gewohnten Logik, verliert sich allerdings stellenweise in verschachtelten Untermenüs. Die Sprachsteuerung versteht Eingaben zuverlässig, beherrscht jedoch keine Fahrzeugfunktionen wie das Öffnen der Fenster. Apple CarPlay und Android Auto funktionierten im Test einwandfrei, sind aber nicht gesondert in die Fahrzeugsoftware integriert.

Die integrierte Laderoutenplanung erledigt ihre Aufgabe zuverlässig inklusive der Batteriestandsangabe am Ziel, agiert aber auffallend konservativ und kalkuliert großzügige Reichweitenpuffer ein. Wer mit niedrigen Restladeständen kalkulieren möchte, stößt an die Grenzen des Systems, da die manuelle Auswahl von Ladestationen reichlich kompliziert ist.

Assistenz, Sicherheit & Licht

Der Tempomat samt Abstandsregelung arbeitete im Test einwandfrei und hielt Distanzen sauber ein. Die Spurführung des Autobahnassistenten zeigte sich dagegen nicht ganz so souverän: Auf der Autobahn schwankt das Fahrzeug leicht zwischen den Markierungen, was auch von Mitfahrenden wahrgenommen wird. Ähnlich wie die Ladeplanung ist auch der Highway Driving Assist eher vorsichtig ausgelegt, was mitunter den gewohnten Verkehrsfluss beeinträchtigt und einen manuellen Eingriff erfordert. Zudem werden diese Funktionen sowie Sicherheitshinweise akustisch begleitet und können trotz vorhandenen Ruhemodus nicht vollständig stummschalten noch hörbar leiser stellen. Die LED-Scheinwerfer leuchten die Fahrbahn hervorragend aus und blenden auch auf kurvigen Strecken zuverlässig und rechtzeitig ab. Da die winterlichen Temperaturen es zuließen, konnte auch die Vortemperierung getestet werden, die zuverlässig alle Fensterscheiben enteiste.

Antrieb & Fahrverhalten

Der 150-kW-Frontantrieb beschleunigt den EV4 in 7,7 Sekunden auf 100 km/h und wirkt damit ausreichend souverän, ohne übermäßige sportliche Ambitionen zu wecken. Das Fahrwerk ist klar auf der Komfortseite abgestimmt, liefert bei zügigerer Gangart aber dennoch genügend Rückmeldung, um das Auto präzise zu führen. Zusammen mit der guten Geräuschdämmung und einer gut abgestimmten Lenkung überzeugt der EV4 insbesondere mit seinen Fähigkeiten auf der Langstrecke.

Bei der Rekuperation lässt KIA gewohnt viel Spielraum, von frei wählbaren Stufen bis zum One-Pedal-Driving. Die i-Pedal-Funktion, insbesondere im Rückwärtsgang, erfordert allerdings etwas Übung und Gewöhnung. Der Wendekreis von 10,9 Metern liegt im Mittelfeld und ist gemessen an der Fahrzeuglänge von 4,73 Metern ausreichend, dennoch stößt man in engen Parkgaragen teilweise an Grenzen.

Verbrauch & Reichweite

Bei viel Schnee und durchgehend winterlichen Temperaturen pendelte sich der Verbrauch laut Bordcomputer auf der Autobahn zwischen 23 und 25 kWh/100 km ein, in der Stadt und über Land zwischen 19 und 22 kWh.

Im Endeffekt ergibt das eine Autobahn-Winterreichweite von knapp 300 Kilometern, die auch unter widrigen Bedingungen erreicht wurde.

Laden

Der EV4 setzt auf eine 400-Volt-Architektur und dementsprechend klingt die maximale DC-Ladeleistung von 128 kW zunächst nach Mittelmaß. In der Praxis relativiert sich das deutlich. Die Höchstleistung von 128 kW wurde zuverlässig erreicht und zusätzlich bleibt die Ladekurve bis etwa 50 Prozent Ladestand bemerkenswert konstant. Von 20 auf 80 Prozent dauerte es bei vorkonditioniertem Akku 24 Minuten, auch unter winterlichen Bedingungen. Jedoch muss bei manueller Aktivierung der Vorkonditionierung ausreichend Zeit eingeplant werden.

An Wechselstrom lädt der EV4 mit üblichen 11 kW, der Ladeport sitzt gut erreichbar vorne rechts. Für Ausflüge praktisch: Über die V2L-Funktion mit bis zu 3,6 kW lassen sich externe Geräte betreiben, eine Steckdose im Innenraum inklusive.

Fazit

Der KIA EV4 Fastback ist ein Auto mit klarem Profil: Die konstante Ladeleistung mit kurzen Ladestopps, der winterfeste Verbrauch, das komfortable Fahrwerk und die gute Geräuschdämmung machen ihn zu einem überzeugenden Langstreckenfahrzeug. Demgegenüber stehen die überraschend knappe Beinfreiheit im Fond, der schlecht zugängliche Kofferraum samt fehlendem Frunk sowie übervorsichtige Assistenzsysteme.

Wer regelmäßig lange Strecken fährt, dabei mit kleinem Gepäck reist und ein auffälliges Design zu schätzen weiß, findet im EV4 Fastback einen effizienten und ausdauernden Begleiter.

Technische Daten

Preis 56 640 € (GT-Line)
Leistung 150 kW
max. Drehmoment 283 Nm
Beschleunigung 7,7 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Leergewicht + Fahrer:in 1 910 kg
Ladevolumen 435 L – 1 391 L
Batteriekapazität (brutto) 81,4 kWh
Ladegeschwindigkeit (AC/DC) max. 11 kW/max. 128 kW
Reichweite (WLTP) max. 625 km
Abmessungen (L/B/H) 4 730 mm/1 860 mm/1 485 mm

Redaktioneller Hinweis: Das Testauto wurde von KIA für einen Zeitraum von zwei Wochen für einen Praxistest zur Verfügung gestellt. Es wurde kein Einfluss auf unsere Berichterstattung genommen.

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